Wen zitiert die KI? Was 56.656 Quellen-Links aus KI-Antworten verraten
Wir haben 56.656 Quellen-Links aus 12.769 KI-Antworten ausgewertet. Das Ergebnis: KI-Systeme zitieren selten die Unternehmens-Website. Sie zitieren Verzeichnisse, Presseportale, Fachmedien, YouTube und Reddit. Wer empfohlen werden will, muss dort präsent sein.

Woher nehmen ChatGPT, Perplexity und Gemini eigentlich ihre Empfehlungen? Unsere Auswertung von 56.656 Quellen-Links aus 12.769 KI-Antworten (Januar bis Juli 2026, 27 Unternehmen) zeigt ein klares Muster: Die KI zitiert selten die Website des Unternehmens selbst. Sie zitiert die Orte, an denen über das Unternehmen geschrieben wird: Verzeichnisse, Presseportale, Fachmedien, YouTube und Reddit.
Mehr als jede zweite KI-Antwort verlinkt Quellen
In unserer Messreihe enthielten 7.153 von 12.769 KI-Antworten mindestens einen Quellen-Link, also 56 Prozent. Und wer zitiert, zitiert großzügig: Im Schnitt verlinkte eine zitierende Antwort rund acht Quellen. Insgesamt verteilten sich die 56.656 Links auf 12.261 verschiedene Domains. (Methodik: fünf KI-Systeme, 25 bis 35 realistische Nutzerfragen pro Unternehmen und Messlauf; technische Weiterleitungs-Links des Gemini-Groundings wurden herausgerechnet.)
Diese Zahlen haben eine unbequeme Konsequenz: Ob ein Unternehmen in einer KI-Antwort auftaucht, entscheidet sich zu einem großen Teil außerhalb der eigenen Website.
Die Top-Quellen: Verzeichnisse, Presseportale, Community-Plattformen
Sortiert man die zitierten Domains nach Häufigkeit, ergibt sich eine deutliche Rangfolge:
- Video und Community zuerst: YouTube war mit 580 zitierenden Antworten die häufigste Einzelquelle, Reddit folgte mit 250. KI-Systeme werten offenbar auch aus, worüber Menschen sprechen, nicht nur, was Unternehmen veröffentlichen.
- Branchen- und Anbieterverzeichnisse dominieren in der Breite: Allein die sechs häufigsten Verzeichnis-Domains (darunter sortlist.de mit 336, wlw.de mit 215 und gelbeseiten.de mit 113 zitierenden Antworten) kamen zusammen auf über 1.000 Zitierungen.
- Presseportale sind ein eigener Kanal: openpr.de (163), presseportal.de (125), newsaktuell.de (87) und pr-gateway.de (85) summieren sich auf rund 460 Zitierungen. Eine gut platzierte Pressemitteilung wird damit direkt zur KI-Quelle.
- Fachmedien und Wikipedia liefern Autorität: omr.com (186), chip.de (105) und Wikipedia (112) gehören ebenfalls zur Spitzengruppe.
Die eigene Unternehmens-Website taucht in dieser Spitzengruppe nicht auf. Wie wir in unserer Gesamtauswertung geschrieben haben: „Die KI zitiert also selten die Unternehmens-Website selbst. Sie zitiert die Orte, an denen über das Unternehmen geschrieben wird."
Warum das so ist
KI-Systeme mit Websuche bewerten Quellen nach Verlässlichkeit, Struktur und Vergleichbarkeit. Ein Verzeichnis liefert Dutzende Anbieter in einheitlichem Format, ein Presseportal liefert datierte Fakten, eine Community liefert Erfahrungsberichte. Die Unternehmens-Website liefert dagegen Eigenwerbung, und genau so behandeln KI-Systeme sie auch: als Beleg für Basisdaten, selten als neutrale Empfehlungsquelle. Dazu passt ein weiterer Befund unserer Messreihe: 65 Prozent aller Unternehmensnennungen liefen über die Domain, nur 35 Prozent über den ausgeschriebenen Markennamen. Die Website-Adresse ist der Anker, über den KI-Systeme ein Unternehmen wiedererkennen, aber die Empfehlung selbst entsteht aus fremden Quellen.
Die Forschung bestätigt die Richtung: Klare Quellenangaben und zitierfähige Fakten erhöhten die Präsenz in KI-Antworten in Tests um rund 25 Prozent (Aggarwal et al. 2024).
Was Unternehmen daraus machen sollten
- Verzeichniseinträge pflegen wie die eigene Website: vollständig, konsistent, mit denselben Daten (Name, Domain, Leistungen) wie überall sonst. Widersprüche zwischen Quellen kosten Vertrauen, auch bei KIs.
- Pressearbeit als KI-Kanal begreifen: Eine sachliche Mitteilung mit echten Zahlen auf den relevanten Portalen ist eine dauerhaft zitierbare Quelle, keine Eintagsfliege.
- Präsenz dort aufbauen, wo Menschen über die Branche sprechen: Fachmedien, YouTube, Community-Plattformen. KI-Systeme lesen mit.
- Die eigene Website maschinenlesbar machen: strukturierte Daten, eindeutige Unternehmensangaben, eine konsistente Domain. Sie ist nicht die Empfehlungsquelle, aber sie ist der Anker, an dem alle anderen Quellen hängen.
Häufige Fragen
Reicht eine gute Website nicht aus, um von KIs empfohlen zu werden?
Nach unseren Daten nein. Die Empfehlung entsteht überwiegend aus Drittquellen: Verzeichnissen, Presseportalen, Fachmedien und Communities. Die eigene Website liefert den Anker (Domain, Basisdaten), aber selten die Empfehlung.
Welche Verzeichnisse sind für KI-Sichtbarkeit wichtig?
In unserer Auswertung wurden branchenübergreifende Anbieterverzeichnisse wie sortlist.de, wlw.de und gelbeseiten.de am häufigsten zitiert. Welche Verzeichnisse für ein konkretes Unternehmen zählen, hängt von der Branche ab und lässt sich messen: durch Auswertung der Quellen, die KIs bei den relevanten Fragen tatsächlich verlinken.
Bringen Pressemitteilungen wirklich etwas für KI-Sichtbarkeit?
Die vier großen Presseportale kamen in unserer Messreihe zusammen auf rund 460 Zitierungen in KI-Antworten. Eine faktenreiche Mitteilung auf diesen Portalen ist damit eine direkt messbare KI-Quelle.
Wie finde ich heraus, welche Quellen die KI bei meinen Themen zitiert?
Durch systematisches Messen: dieselben Fragen regelmäßig an mehrere KI-Systeme stellen und die verlinkten Quellen auswerten. Genau das leistet ein KI-Sichtbarkeits-Monitoring.
Quellen und Methodik
- GeoUp-Auswertung, Januar bis Juli 2026: 27 Unternehmen (DACH), 12.769 KI-Antworten über ChatGPT, Claude, Gemini, Perplexity und Google AI Overviews; 56.656 Quellen-Links auf 12.261 Domains, Gemini-Grounding-Weiterleitungen herausgerechnet. Kundendaten anonymisiert.
- GeoUp (2026): 12.769 KI-Antworten ausgewertet, die Gesamtauswertung dieser Messreihe.
- Aggarwal et al. (2024): GEO: Generative Engine Optimization, Effekt von Quellenangaben und Statistiken auf die Präsenz in KI-Antworten. Einordnung in unserer Meta-Studien-Übersicht.
Stand: Juli 2026.
